Die Veden

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Die Veden – die älteste Textsammlung des Hinduismus. 

Veda bedeutet wörtlich >Wissen<. Damit ist nicht weltliches Wissen gemeint, sondern absolutes, göttliches Wissen, das auch brahma vidyā genannt wird.

Den Heiligen des Altertums, den Rishis und Munis, wurde in ihrer Meditation dieses Wissen offenbart. Dieses offenbarte Wissen (śruti) haben sie dann dank ihrer enormen Gehirnkraft für die Menschheit gespeichert und so mündlich an ihre Schüler weiter gelehrt.

Einleitung

Die Veden sind die Gesamtheit der ältesten Texte der indischen Literatur, denen der orthodoxe Hindu übermenschlichen Ursprung und göttliche Autorität zuschreibt -> śruti = geoffenbartes Wissen.

Dieser grosse Schriftkomplex (sechsfacher Umfang der Bibel) gliedert sich in folgende vier Abteilungen:

  • Ṛgveda
  • Sāmaveda
  • Yajurveda
  • Atharvaveda

Mehr Infos siehe Wikipedia

Wilfried Huchzermeyer schreibt in Die heiligen Schriften Indiens, Seite 7:

„Das Wort »Veda« hat für viele Inder bis heute einen magischen Klang. Es ist das Urwissen aus unvordenklicher Zeit, offenbart und mitgeteilt von den Rishis oder Sehern. Sie empfingen die heiligen Worte in ihrer inneren Schau und brachten sie in inspirierenden Hymnen zum Ausdruck. Jahrtausendelang wurden die Texte dann mithilfe einer perfekten Gedächtnistechnik überwiegend mündlich von Generation zu Generation weitergegeben und erst ab dem 19. Jahrhundert durch den Buchdruck dauerhaft schriftlich fixiert.
Freilich ging im Laufe der Zeit der Schlüssel zum Verständnis verloren, und auch die Übersetzungen waren nicht immer hilfreich. Nur unzulänglich vermitteln sie den hohen spirituellen Wert dieser heiligen Schrift. Manche westliche Gelehrte vermochten gar bei der ersten Lektüre nicht mehr zu entdecken als schlichte Äußerungen eines Nomadenvolkes mit vereinzelten beachtlichen Passagen.“

Inhalt der Veden

Die Veden enthalten vor allem Lobeshymnen an die verschiedenen Götter (devas), wie Indra, Agni, Varuṇa, usw. und sind für uns heute ohne Kenntnis der indischen Mythologie schwer zu verstehen.

Der Ṛgveda enthält Lobeshymnen an insgesamt 33 verschiedene Gottheiten.

Wilfried Huchzermeyer – schreibt in Die heiligen Schriften Indiens, Seite 9:

„Gemäß dem Rigveda gibt es insgesamt 33 Götter und Göttinnen, davon je 11 im Himmel, auf der Erde und im Wasser. Einige gemeinsame Merkmale sind, dass sie in leuchtenden Wagen fahren, keinen Schlaf benötigen und »Soma« trinken.“
Individuelle Charakterzüge existieren, sind aber relativ wenig ausgeprägt. Jeder Gott erfüllt – mit fließenden Übergängen – bestimmte Aufgaben.
….
Hinter der Vielfalt der Götterwelt steht das Eine, tad ekam, das letztliche Ziel der Seher auf ihrem inneren Pfad.“

Wieso wählten die Rishis für die Weitergabe des Veda oder brahma vidyā gerade die Form von Lobeshymnen an die Götter (devas)?

Die Veden stammen aus einer Zeit, in der Naturkräfte und Naturphänomene als Götter angebetet wurden. Die Rishis haben ihre göttlichen Offenbarungen bewusst so dargestellt, dass die Menschen in jener Zeit sich in vertrauten Themen wiedererkennen konnten, waren sich aber jederzeit bewusst, dass der Zugang zu diesem Wissen nur innerlich erreicht werden kann und dass das äussere Anbeten oder Aufrufen der Götter, welche auf diese Weise so milde gestimmt werden sollten, spirituell gar nichts bewirkt.

Peter Michel schreibt im Vorwort des Buches Ṛgveda – das heilige Wissen Indiens, welches die deutsche Übersetzung des Ṛgveda von Karl-Friedrich Geldner (1852 – 1929) enthält:

„Die großen Seher der frühen vedischen Zeit standen bereits vor dem Problem, das alle großen Weisen und Wissenden nach ihnen ebenfalls zu lösen hatten, nämlich die Frage nach der Wahl der Worte entsprechend dem Verständnis der Zuhörer. Das einfache Volk, in Indien wie in anderen Teilen der Welt, verehrte zu dieser Zeit natürlich Naturgötter und verband unerklärliche Erscheinungen mit dem Wirken einer Götterwelt. Es galt, dieses Bewusstsein anzuheben, was die vedischen Seher versuchten, indem sie den Menschen eine verborgene Ordnung hinter den äußeren Dingen aufzeigten.“

Sri Aurobindo (1872 – 1950) schreibt in Die Grundlagen der indischen Kultur, Seiten 141/142:

„Die vedischen Rishis gaben den vom Volk angebeteten Gottheiten eine psychische Funktion. Sie sprachen zu den Menschen von einer höheren Wahrheit, einem Recht, Gesetz, dessen Hüter die Götter waren, von der Notwendigkeit einer wahren Erkenntnis und einem weiteren inneren Leben gemäß dieser Wahrheit und diesem Recht und von einem Heim der Unsterblichkeit, zu dem die Seele des Menschen durch die Kraft der Wahrheit und rechter Handlung aufsteigen konnte. Ohne Zweifel nahmen die Menschen diese Vorstellungen in ihrem äußerlichsten Sinn auf.
….
Die tiefere Wahrheit dieser Dinge war den Eingeweihten vorbehalten, jenen, die bereit waren, den inneren Sinn zu verstehen und zu praktizieren, die esoterische Bedeutung, die in der vedischen Schrift verborgen liegt. Denn der Veda ist voller Worte, die, wie die Rishis selbst es ausdrückten, geheime Worte sind, die ihre innere Bedeutung nur dem Seher enthüllen.“

Paramahansa Yogananda schreibt in Bhagavad Gita – Gott spricht mit Arjuna, Seite 336:

„Viele vedische Schriften sind tief symbolisch, so dass oberflächlich forschende Gelehrte ihren verborgenen Sinn nicht erkennen; doch haben die Veden in der Form von Riten und Ritualen auch eine äußere Bedeutung, die nur weltlichen Zwecken dient.“

Der Schlüssel zum spirituellen Verständnis der Veden

Wilfried Huchzermeyer – schreibt in Die heiligen Schriften Indiens, Seite 9:

„Als Sri Aurobindo sich zu Beginn des 20. Jhs. intensiv mit der Götterwelt des Rigveda beschäftigte und viele Hymnen übersetzte, fand er den Schlüssel zu ihrem spirituellen Verständnis. Es wurde ihm deutlich, dass die Götter und ihre Funktionen als Chiffren verwandt wurden, um bestimmte innere Erfahrungen auszudrücken. Die Sprache der Rishis war bewusst verschlüsselt, um den Nicht-Eingeweihten den Zugang zu ihrem geistigen Wissen zu verschließen und dadurch Missbrauch zu vermeiden.“

Sri Aurobindo (1872 – 1950) hat sich eingehend mit dem Geheimnis des Veda und der vedischen Götter befasst. Er hat wie oben beschrieben, den Schlüssel zum spirituellen Verständnis der Veden entdeckt.

Sein Buch „Das Geheimnis des Veda“ zeugt von seiner Erfahrung, welche er durch seine eigene innere tiefe Verwirklichung vorangetrieben hat.

Ohne Zweifel kann man Sri Aurobindo als einen Rishi und Seher der Neuzeit bezeichnen.

Peter Michel schreibt im Vorwort des Buches Ṛgveda – das heilige Wissen Indiens:

Es ist bemerkenswert, dass Sri Aurobindo, der, wie deutlich geworden sein dürfte, zu den genialsten und tiefsinnigsten Deutern des Veda zählt, gleichzeitig auch die unüberhörbare Kritik an einer blindgläubigen Übernahme vedischer Texte in einen neuzeitlichen Bezugsrahmen geäußert hat.“

Sri Aurobindo schreibt in Das Geheimnis des Veda, Seiten 28/29:

„Erst wenn wir zur Interpretation des Veda kommen und Hilfe von der alten indischen Gelehrsamkeit erwarten, fühlen wir uns gezwungen, die größten Vorbehalte zu machen. Denn selbst in den früheren Tagen klassischer Gelehrsamkeit dominierte bereits die ritualistische Betrachtungsweise des Veda. Der ursprüngliche Sinn der Wörter, der Zeilen, der Anspielungen, der Schlüssel zur Gedankenstruktur waren seit langem verloren oder verdunkelt. Auch besaßen die Gelehrten nicht jene Intuition oder spirituelle Erfahrung, die teilweise das verlorene Geheimnis zurückgewonnen haben könnte. In einem solchen Bereich ist bloße Gelehrsamkeit, besonders wenn sie mit einem einfallsreichen scholastischen Mental einhergeht, ebenso oft eine Falle wie ein Wegweiser.“

Die zentrale vedische Formel

Die zentrale vedische Formel aus Atharva Veda 12.1.1 lautet: 

satyaṁ ṛtaṁ bṛhat

Wortbedeutung:

satyaṁbedeutet >Wahrheit<
ṛtaṁ *)bedeutet >das Rechte<
bṛhatbedeutet >das Weite, das Große<

*) dieser Begriff wurde später durch das Wort dharma abgelöst.

„Das zentrale geistige Konzept dieses inneren vedischen Kultes war die Vorstellung von Satyam, Ritam, Brihat – der Wahrheit (the Truth), dem Gesetz (the Law), dem Unermesslichen (the Vast).”

Deutsche Übersetzung aus Vedic Symbolism, Seite 2, von M.P. Pandit

M.P. Pandit schreibt in Legends in The Life Divine” S. 91, (deutsche Übersetzung):

„Dieser Zustand von sat-chit-ananda als das Supramentale, vijnana, hat drei Eigenschaften.
Satyam, die wesentliche Wahrheit des Seins. Diese Wahrheit ist das Fundament von allem was existiert und was jenseits unserer Vorstellung der gestaltlichen Existenz ist.
Sat, die gleiche Wahrheit in jeder dynamischen Handlung, ritam. Es ist die gegliederte Wahrheit des aktiven Seins, das Gesetz der Wahrheit im Werden. Das Rechte ist die Arbeitsweise der Wahrheit. Dieses vedische ritam wurde in der späteren Evolution des indischen Geistes als Dharma bekannt: das Gesetz, das eine Sache in seinem Zustand hält, ob im Sein oder Werden. Was essentiell und dynamisch wahr ist, kann keine Grenzen haben.
Es ist grenzenlos im Bewusstsein, welche Formulierungen auch immer akzeptiert werden, mit denen man den Zweck von Handlungen zum Ausdruck bringt. Es ist das Große, brihat. …“

Die vier Veden

Der Veda oder das göttliche Wissen (brahma vidyā) ist für die Menschen in dieser Form nicht verständlich und muss zuerst geteilt werden. In jedem Zeitalter, in dem der Veda wieder durch die Rishis offenbart oder gehört wird, braucht es jemanden, der den Veda teilt. Diese Aufgabe übernimmt Veda Vyāsa. Vyāsa ist ein Titel und heisst auch ‚Teiler der Veden‘ (Veda Vyāsa).

In diesem Zeitalter wurde der Veda in vier Veden geteilt und sie sind als folgende Textsammlungen (saṁhitā) bekannt:

  • Ṛgveda – Veda der Verse
  • Sāmaveda – Veda der Lieder
  • Yajurveda – Veda der Opfersprüche
  • Atharvaveda – Veda der Zaubersprüche

Es haben sich mit der Zeit verschiedene Veda-Schulen, śakhā genannt (= Zweig) gebildet, welche eine bestimmte Fassung eines Veda überlieferten. Hinter jedem śakhā stehen verschiedene Rishis und deren Nachkommen.

Von Generation zu Generation wurden die Texte zuerst mündlich überliefert, bis die Textsammlungen (saṁhitā) niedergeschrieben wurden.

Die Struktur der Veden

Alle vier Veden bestehen jeweils aus:

  • einem Werkteil (Karmakāṇḍa), dieser enthält Anweisungen für die Durchführung von Riten und Opferhandlungen.
  • einem Wissensteil (Jñanakāṇḍa), dies sind die Upaniṣaden.

Strukturelle Einteilung der Veden:

  • Saṁhitā (Textsammlungen) bestehend aus Ṛgveda, Sāmaveda, Yajurveda und Atharvaveda
  • Brāhmaṇas (Ritualhandbücher)
  • Āraṇyakas (Waldbücher)
  • Upaniṣaden

Ṛgveda – Der Veda der Verse

Wörtlich: >Das in Versen (ṛg) niedergelegte Wissen (veda).<
Die älteste und umfangreichste der vier vedischen Textsammlungen, zugleich das älteste Zeugnis der indischen Literatur.

Der Ṛgveda steht am Anbeginn der uralten indo-germanischen Kultur. Seine Datierung verliert sich im Dunkel der Zeit, da seine schriftliche Abfassung (ca. 800 – 1000 n. Chr.) nicht identisch mit seiner Entstehung ist. Es besteht heute kein Zweifel mehr, dass der Text über viele Jahrhunderte nur mündlich überliefert wurde.

Der Ṛgveda gliedert sich in zehn Liederkreise (maṇdala) und umfasst 1028 Hymnen mit 10580 Versen.
Die meisten maṇdalas sind mit dem Namen eines bestimmten Rishi (Seher) verbunden, der auch als Verfasser gilt (z.B. Bharadvāja, Vāmadeva, Vasiṣṭha, Viśvāmitra).

Der Ṛgveda enthält vor allem jene Hymnen, die der Hotar (der Rufer), einem der vier Hauptpriester bei der Opferhandlung, rezitierte, um die Götter zum Genuss des Opfers einzuladen (siehe unten stehendes Bild ,Vedische Opferhandlung‘).

Die erste Hymne des Ṛgveda ist an Agni gerichtet und lautet:

agnim īle purohitaṁ । yajñasya devam ṛtvijam । hotāram ratnadhātamam ॥

Deutsche Übersetzung von Karl Friedrich Geldner (1852-1929):
„Agni rufe ich an als Bevollmächtigten (purohita), als Gott-Priester des Opfers, als Hotar, der am meisten Lohn einbringt.“

Gemäss Sri Aurobindo symbolisiert Agni (Gott des Feuers) das seelische oder psychische Wesen (siehe Blogbeitrag das zentrale Wesen). Agni wird im Ṛgveda am zweitmeisten angerufen, insgesamt 218 Mal.

Mehr Infos über den Ṛgveda siehe auch Wikipedia

Sāmaveda – Der Veda der Lieder

Die zweite der vier Sammlungen vedischer Hymnen bildet den Sāmaveda, dessen Name von sāman – >Lied< oder >Melodie< – abgeleitet ist.

Man kann sagen, es ist das Gesangsbuch des Opferpriesters. Es besteht aus 1549 Versen, von denen sich nur 78 nicht auf den Ṛgveda zurückführen lassen. Die Lieder sind meist dem 8. oder 9. Buch des Ṛgveda entnommen.

Die Lieder des Sāmaveda wurden vom Udgātri (Sänger), einem der vier Hauptpriester bei der Opferhandlung, während der Darbringung des Soma-Opfers gesungen (siehe unten stehendes Bild ,Vedische Opferhandlung‘).

Yajurveda – der Veda der Opfersprüche

Der Yajurveda hat zwei Fassungen:

  • der ältere, schwerer zu verstehende (archaische) Schwarze Yajurveda, der von Schulen in fünf Büchern mit unterschiedlichen Versionen kompiliert wurde
  • der jüngere, einheitlichere und leichter zugängliche Weisse Yajurveda, der weitgehend auf den Heiligen Yājñavalkya zurückgehen soll.

Die Opfersprüche wurden vom Adhvaryu, einem der vier Hauptpriester bei der Opferhandlung, während des Vollziehens der heiligen Handlung gemurmelt (siehe unten stehendes Bild ,Vedische Opferhandlung‘).

Atharvaveda – Der Veda der Zaubersprüche

Der vierte Veda, ist dem >Wissen von Zaubersprüchen< gewidmet. Die Atharvans waren eine Klasse von Zauberpriestern.

Er ist viel später als der Ṛg-, Sāma- und Yajurveda entstanden und wurde lange Zeit nicht als Veda anerkannt, obwohl ein Teil seiner 731 Hymnen auf den Ṛgveda zurückgeht. Der Atharvaveda unterlag keiner strengen Abgrenzung, so dass sich ihm eine lange Reihe meist kurzer Upaniṣaden angeschlossen hat.

Von den Anhängern des Vedānta werden nur einige von ihnen anerkannt und benutzt, insbesondere die Muṇḍaka-, Praśna- und Māṇḍūkya-Upaniṣad.

Āyurveda bildet einen Seitenzweig von Atharvaveda.

Bild ,Vedische Opferhandlung‘

Schöpfungshymnus gemäss Ṛgveda (Vers 10.129)

„Die Götter repräsentieren die allgemeinen, vom Wahrheits-Bewusstsein abgestiegenen Kräfte, welche die Harmonie der Welten und im Menschen in fortschreitender Perfektion aufbauen. Die vedischen Götter sind Namen, Kräfte, Persönlichkeiten der universalen Gottheit und sie alle stellen die wesentlichen Kräfte des göttlichen Seins dar.“

Deutsche Übersetzung aus Vedic Symbolism, Seite 29, von M.P. Pandit

Obwohl die Veden meistens aus Lobeshymnen an die vedischen Götter bestehen (siehe oben), gibt es in Ṛgveda eine Textstelle (Vers 10.129 – siehe unten) – in welcher die vedischen Rishis zum Ausdruck bringen, dass die Götter nicht die letzte Wirklichkeit sind.

Schöpfungshymnus gemäss Ṛgveda (Vers 10.129)
Aus dem vergriffenen Buch „Indische Weisheit“, aus dem Sanskrit übersetzt von Jürgen Dünnebier:

Nicht war da Sein noch Nichtsein.
Es war weder der Himmel noch der Raum jenseits davon.
Was war Inhalt? Wo? In wessen Schutz?
War da Wasser, unergründlich, tief?

Da gab es weder Tod noch Unsterblichkeit.
Es gab weder die Wahrnehmung von Nacht noch von Tag.
Das Eine atmete windlos durch seine eigene Kraft.
Außer diesem gab es nichts weiter.

Am Anfang wurde Finsternis von Finsternis verborgen.
Dieses All war unterschiedsloses Wasser.
Das, was bei seiner Entstehung mit Leere bedeckt war,
das Eine wurde geboren durch die Macht der Wärme.

Begehren ergriff am Anfang jenes
und war als Same des Denkens damit das Erste.
Sich in ihr Herz versenkend,
fanden die Weisen das Band des Seins im Nichtsein.

Ihr Seil war quer gespannt.
Gab es ein Unten? Gab es ein Oben?
Gab es Erzeuger? Gab es Schwangerschaften?
Gab es erst weibliche Kräfte und später männliche?

Wer weiß es genau? Wer wird hier verkünden,
woraus sie entstanden, woher diese Schöpfung kam?
Die Götter kamen erst nach dieser Schöpfung.
Wer also weiß, woraus sie entstanden ist?

Woraus diese Schöpfung entstanden ist
und ob sie von jemandem hervorgebracht wurde oder nicht:
Wenn im höchsten Raum einer ist, der sie überwacht,
der wird es wohl wissen, oder er weiß es auch nicht.

Buchtipps: 
Das Geheimnis des Veda – von Sri Aurobindo
Vedische Hymnen – von Wilfried Huchzermeyer (Bild ganz oben)

Ich danke Wilfried Huchzermeyer für die Durchsicht des Textes und für seine Korrekturvorschläge.